Automobilers
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Der Autofahrer und das Tempolimit

Das Nervensystem und das Gefühlsgefüge des ursprünglichen Menschen, das sich im Verlauf von Millionen von Jahren entwickelt hat, konnte nicht voraussehen, dass ein Großteil der Menschen in den vermeintlich zivilisierten Regionen eines Tages zum Autofahrer werden würden. Und so sind manche Gewohnheiten des typischen Autofahrers auch gefühlt richtig, aber rationell kaum zu erklären. Wer kennt nicht den Drang schneller zu fahren um die nächste Tankstelle zu erreichen, wenn man auf der Autobahn plötzlich feststellt, dass das vefügbare Benzin zur Neige geht? Man will ja schließlich bei der Tankstelle ankommen, bevor der Tank gänzlich leer geworden ist. Rationell ist dieses Verhalten auf keinen Fall: Wer schneller fährt verbraucht meist auch mehr Benzin und dies ganz unabhängig von der Frage, ob er (oder sie) damit zu einem früheren Zeitpunkt die Tankstelle erreicht oder nicht.

Tacho
© berlin-pics / pixelio.de
Ebenso wenig erklärbar ist das Bedürfnis, immer etwas schneller fahren zu wollen, als es die Geschwindigkeitsbegrenzung erlaubt. Ja, es gibt sogar Autofahrer, die es sich zur Gewohnheit gemacht haben, das Tachometer stets im Auge zu behalten, um sicher zu gehen, dass die Begrenzungen nur insoweit überschritten werden, wie es die Toleranzrenze vielleicht noch gestattet. Andere Autofahrer rechnen sogar Verwarngelder gemäßigten Ausmaßes in ihre Fahrgewohnheiten mit ein und überlegen, was man sich noch leisten kann. Der Gewinn einer solchen nur bedingt entspannten Fahrweise ist kaum noch nachvollziehbar. Wer die erlaubte Geschwindigkeit überschreitet steht im Regelfall nach einigen Kilometern bleibt der selben roten Ampel wie ein gemäßigter Fahrer stehen und muss feststellen, dass vom Erfolg der vermeintlich sportlichen Fahrweise nicht viel übrig geblieben ist. Selbst auf Fahrten über mehrere hundert Kilometer liegt die Zeitersparnis einer Fahrt mit Bleifuß auf dem Gaspedal meist nur im einstelligen Minutenbereich.

Beim Besuch der Tankstelle schmerzt uns jeder Cent, den wir zusätzlich zahlen müssen. Verwarngelder gehören aber irgendwie zum Autofahren mit dazu. Im Verlauf eines Jahres können sich diese ohne bösen Vorsatz auf dreistellige Beträge und somit mehrere komplette Tankfüllungen addieren. Auch in dieser Hinsicht gibt sich der Autofahrer nicht immer rationell: An der Tankstelle wird die Brieftasche stets ein bisschen ärmer und ein Verwarngeld ist ein bisschen wie ein Lotterielos. Manchmal hat man Glück und fährt nur durch jene Straßen, die nicht von entsprechenden Kontrollen überprüft werden. Der Selbstbetrug geht bisweilen auch so weit, dass man selbst nach dem grellen Licht des Fotos noch denkt: Es könnte ja das Auto vor mir oder hinter mir gewesen sein. Außerdem vergehen ja immer ein paar Tage bis Wochen, bis der Verwarnbescheid zu Hause eintrifft, das Geld an der Tankstelle hingegen ist man sofort los.

Auch könnte man über die Frage nachdenken, was man denn mit der gewonnen Zeit anstellen wird, die man durch das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit (selbst wenn sie nur ím Minutenbereich liegt) gewinnt. Wenn ein Autofahrer, der die Gewohnheit pflegt, es mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht all zu genau zu nehmen, zu Hause ankommt und sich erst einmal für ein Stündchen oder mehr vor den Fernseher zu setzen, dann sollte er ernsthaft darüber nachdenken, ob es wirklich lohnenswert war, deswegen ein Verwarngeld oder gar einen Unfall zu riskieren.

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